sonja koczula. malerei und zeichnung. zeichen – botschaft – spur. 
text von dr. alexandra sucrow-becker, paderborn (2010)

hauptsächlich in öl, aber auch in mischtechnik oder graphit malt und zeichnet die künstlerin dunkle linien bis breite bahnen in hellem grund auf leinwand oder papier.
zeichen von großer kraft, in der form immer irgendwo zwischen flüchtig hingeworfener notiz und bildhaftem symbol, setzen sich klar und selbstbewusst gegen ihre undefinierte offene umgebung ab. sie erheben sich aus der tiefe des bildgrundes, arbeiten sich empor, behaupten sich, bis sie - teils noch von einer durchscheinenden hellen schicht wie von einer dünnen haut bedeckt - dominant im vordergrund stehen. der meist nicht exakt freigelegte fransige rand der dunklen zeichnung, dünne linien, die schemenhaft erkennbar wie unterirdische gänge den raum unter der fleckig-hellen oberfläche durchfurchen oder durch feines einritzen der oberen schicht freigelegt werden, lassen eine ganze welt der zeichenhaften symbolik unterhalb des sichtbaren erahnen.
ein raum tut sich da auf jenseits des unsrigen, der nicht klar erfahrbar ist, der nicht nur das dunkel der zeichen, sondern auch farbe aufleuchten lässt – als schimmernde idee, als schatten unter dem hellen vordergrund oder als leuchtenden fleck, wenn die stumpf und kalkig wirkende oberfläche gleich einer wolkendecke aufreißt und den blick freigibt auf darunterliegendes.
bilder voller bewegung jagen unseren blick nicht nur auf dominant angelegten, teils verschlungenen wegen über die fläche, sondern auch in die komposition hinein, vom klar sichtbaren in die schemenhafte welt.
denn beide welten, die sichtbare und die verborgene, die klare und die schemenhafte gehören in den bildern von sonja koczula zusammen, sind kompositionell wie auch inhaltlich miteinander verbunden: sichtbare linien sind in teilen hell übermalt und damit in den hintergrund geführt oder finden ihre fortsetzung in feinen und dennoch tiefen kratzern, die durch die oberfläche in das dunkel stoßen. meist haben die offensichtlichen zeichen ein schattenhaftes pendant im verborgenen oder eine begleitung durch die farbe in der tiefe.
die bilder von sonja koczula begegnen uns wie botschaften, doch wie solche, deren sprache uns fremd ist, deren schrift wir nicht kennen. botschaften, die uns – so vermuten wir – etwas sagen wollen, die uns, gerade weil ein entziffern unmöglich ist, irritieren. wir versuchen, die zeichen zu deuten, verfolgen alle erkennbaren spuren – doch vielleicht stehen die zeichen von sonja koczula ja gar nicht für etwas, sondern sind sich selbst genug, tragen ihre bedeutung in sich und sind eins mit dieser...

alexandra sucrow-becker, paderborn 

(text für den katalog sonja koczula. malarstwo / painting, erschienen im juni 2010 im rahmen der ausstellung in der galerie für zeitgenössische kunst in przemysl/polen.)


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